Johnson im Maisfeld
Hinein ins Maisfeld. Hinein nach Jerichow.
Was hat Uwe Johnson mit einem Maisfeld zu tun? Eine ganze Menge.
In einem Maisfeld an der Boltenhagener Straße in Klütz ist ein riesiges Porträt des Schriftstellers entstanden. Landwirt Arne Nölck hat Johnsons Gesicht mithilfe moderner Landtechnik und GPS in das Feld übertragen. Was zunächst als Land-Art-Projekt begann, ist nun zugleich eine literarische Ausstellung: Zwölf Stationen führen durch das begehbare Porträt – und mitten hinein in Uwe Johnsons fiktives Jerichow.
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Denn in Johnsons Romanen ist Mecklenburg weit mehr als eine Landschaft. Felder und Höfe, Straßen und Marktplätze, Scheunen und Gasthäuser bilden eine Welt, in der persönliche Erinnerungen und deutsche Geschichte untrennbar miteinander verbunden sind.
Im Zentrum der »Jahrestage. Aus dem Leben von Gesine Cresspahl« steht Gesine Cresspahl, die mit ihrer Tochter Marie in New York lebt. Mecklenburg hat sie längst verlassen. Und doch trägt sie die Landschaften, Gerüche, Dialekte, Menschen und Gewohnheiten ihrer Kindheit wie eine innere Landkarte mit sich.
Ein zentraler Ort dieser Erinnerungen ist Jerichow, Johnsons fiktive mecklenburgische Kleinstadt nahe der Ostsee. Hier verdichten sich die Erfahrungen mehrerer Generationen. Und hier wird sichtbar, wie große politische Veränderungen bis in den Alltag der Menschen hineinreichen.
Wer besitzt das Land – und wer arbeitet darauf?
Wie bestimmen die großen Güter das Leben einer kleinen Stadt? Was verändert sich unter dem Nationalsozialismus? Wie wird die Vorbereitung auf den Krieg selbst in einer scheinbar friedlichen Landschaft sichtbar? Und was geschieht nach 1945, als alte Besitz- und Machtverhältnisse verschwinden und Besatzungsmacht und später DDR-Politik das Leben auf dem Land neu ordnen?
Johnson erzählt davon nicht wie ein Geschichtsbuch. Er erzählt durch Menschen und ihren Alltag: durch einen Bauernhof, der einem Kind geschenkt wird, durch Ackerwagen auf dem Marktplatz, durch eine angebliche Landarbeitersiedlung, hinter der sich ein Militärflugplatz verbirgt, durch Eier und Milch in Zeiten des Hungers – und durch Hunderte Schulkinder, die auf Kartoffeläckern nach angeblich von Amerikanern abgeworfenen »Sabotagekäfern« suchen.
Die ländliche Welt ist dabei weder Idylle noch bloße Kulisse. Es gibt Nachbarschaft und Zusammenhalt, Schönheit und Vertrautheit – aber ebenso Abhängigkeit und soziale Ungleichheit, Opportunismus, politische Unterdrückung und Gewalt. Heimat ist bei Johnson keine einfache Behauptung, sondern eine komplizierte Wirklichkeit. Und in die Landschaft hat sich Geschichte eingeschrieben.
Eine Zeitreise durch das Maisfeld
Die »Jahrestage« folgen den Tagen vom August 1967 bis August 1968. Gesines Erinnerungen aber springen immer wieder zurück in die Vergangenheit.
Für »Johnson im Maisfeld« haben wir ausgewählte Episoden deshalb neu geordnet: nicht nach dem Tag, an dem Gesine sich erinnert, sondern nach der Zeit, von der sie erzählt.
So wird der Weg durch Johnsons Porträt zugleich zu einer Zeitreise durch mehrere Jahrzehnte Jerichower und mecklenburgischer Geschichte: vom Leben vor dem Nationalsozialismus über Diktatur und Krieg, sowjetische Besatzungszeit und Bodenreform bis in die frühe DDR.
An jeder der zwölf Stationen führt ein QR-Code zu einer Hörpassage aus Uwe Johnsons »Jahrestagen«. Die Ausschnitte stammen aus dem vollständigen Hörbuch des Romans, gelesen von Charly Hübner und Caren Miosga. Auf dieser Website finden Sie zu jeder Station außerdem einen vertiefenden Begleittext.
Gehen Sie hinein ins Maisfeld. Und hinein nach Jerichow.
»Johnson im Maisfeld« ist ein gemeinsames Projekt des Literaturhauses Uwe Johnson und des Landwirtschaftsbetriebs Klützer Winkel mit Landwirt Arne Nölck. Konzeption des literarischen Parcours: Barbara Heine, Literaturhaus Uwe Johnson.
Die Ausstellung ist vom 8. September bis voraussichtlich 30. Oktober 2026 auf dem Maisfeld an der Boltenhagener Straße in Klütz zu erleben. Der Eintritt ist frei.
Mit freundlicher Unterstützung der Uwe-Johnson-Gesellschaft, des Audio Verlags und des Literatur Rats Mecklenburg-Vorpommern.
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